Hemdkleider
Leicht, leichter - Hemdkleid
Auch die geduldigste und leidensfähigste Pariserin konnte irgendwann die einschneidende Tortur harter Mieder und steifer Reifröcke nicht mehr länger ertragen. Und so brach sich um das Jahr 1800 herum die feminine Befreiung Bahn und vertrieb die textilen Schraubstöcke mit Schimpf und Schande aus den Garderoben und Boudoirs.
Was diesem Befreiungsschlag folgte, war das Hemdkleid, das man auch unter dem Namen Hemdblusenkleid oder Chemisenkleid kennt. Und wenn es vorher nicht schwer und steif genug sein konnte, so wurden die kleidsamen Kennwerte jetzt ins andere Extrem getrieben. Denn jede Pariserin (und jede andere Dame von Welt), die etwas auf sich hielt, hielt auch ganz streng die neuen Normen ein, nach denen die modische Kleidung samt Schuhwerk und Schmuck die Gewichtsmarke von 250 Gramm nicht mehr überschreiten durfte. Nach der neuen Devise "locker, luftig, leicht" schwebten die Frauen nun fast schwerelos durch ihren Alltag.
Völlig losgelöst
Auch heute, mehr als 200 Jahre nach der Befreiung aus den Miedergefängnissen, wird die duftige Leichtigkeit des Hemdkleides, vor allem bei hohen sommerlichen Temperaturen, von trendigen Frauen sehr geschätzt. Denn das Hemdkleid ist dem Tunikakleid sehr ähnlich und bietet deshalb auch einen vergleichbaren und buchstäblich unbeschwerten Tragekomfort.
Auch gewisse Ähnlichkeiten zum Empirekleid sind augenfällig, denn das Hemdkleid wird meist unter der Brust von einem Band oder von einem eingearbeiteten Gummi zusammengehalten und darf sich ab dort in Richtung Boden absolut frei entfalten. Eine wahre Wohltat für alle Pölsterchen, die sich hier ganz ungeniert verstecken können.
Walk like an Egyptian
Wer auf alt ägyptischen Darstellungen hier und da ein Hemdkleid zu erspähen glaubt, der liegt völlig richtig. Denn die zahlreichen und oft reich verzierten alt ägyptischen Varianten des Hemdkleides beeinflussen die Phantasie der Modeschöpfer bis heute. Und das Hemdkleid nach ägyptischem Vorbild war und ist der Renner bei jeder passenden Mottoparty und auf jedem Faschingsball.
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